Nachdem ich dir die Bodenarbeit und die Arbeit mit der Doppellonge und dem Langzügel vorgestellt habe, fehlt noch die Handarbeit.

Im Beitrag zur Bodenarbeit hatte ich die Handarbeit ja schonmal kurz erklärt. Bei der Handarbeit stehst du meistens nah am Pferd, sodass du mit deinen Händen schnell und ohne Umwege einwirken kannst. Also anders als beim Langzügel oder der Doppellonge.
Die Ausrüstung
Bei der Handarbeit brauchst du wirklich nicht viel. Ich empfehle:
- Ein Kopfstück, an dem man rechts und links Zügel befestigen kann (Trense, Sidepull)
- Eine Gerte
- Beinschutz
- Handschuhe
- Festes Schuhwerk (falls dir das Pferd unbeabsichtigt auf den Fuß tritt)
Los geht’s
Lauft euch erstmal wie gewohnt etwas warm. Dann stellst du dein Pferd an die Bande und stellst dich etwas vor die Schulter deines Pferdes, dein Körper ist dem Pferd zugewandt. Wenn du auf der linken Hand bist, nimmst du mit deiner linken Hand den inneren Zügel, relativ nah am Trensenring oder dort, wo der Zügel am gebisslosen Kopfstück befestigt ist. Den äußeren Zügel legst du über den Hals, etwas vor dem Widerrist deines Pferdes und nimmst ihn in die rechte Hand. In diese Hand nimmst du auch deine Gerte; nach unten zeigend. Loben nicht vergessen 😉

So sollte das dann aussehen. Wenn dein Pferd sich in dieser Position nicht wohlfühlt, gib ihm einen Augenblick, um sich daran zu gewöhnen und sich wieder zu entspannen.
Abkauübungen
Für die, die ihr Pferd mit Gebiss reiten oder arbeiten wollen, empfehlen sich vorher auch Abkauübungen. Dazu stellst du dich vor dein Pferd und nimmst die Gebissringe rechts und links in die Hand. So kannst du eine Rechts- oder Linksstellung abfragen.
Loslaufen
Habt ihr euch mit den Positionen akklimatisiert, begibst du dich in die Ausgansposition im Halten und könnt ihr euch im Schritt in Bewegung setzen. Dazu drehst du deinen Körper nach vorn und gibst euer Kommando zum loslaufen. Hier kannst du auch die Gerte zur Hilfe nehmen. Achte darauf, dass du mit beiden Händen gleichmäßigen Kontakt zum Pferdemaul hast und nicht daran zerrst. Für den Anfang bleibt ihr am besten auf dem ersten Hufschlag, denn so habt ihr beide die Bande zur Begrenzung.

Dein Pferd muss auch nicht direkt in Aufrichtung und an der Senkrechten gehen. Saffa ist noch lange nicht soweit, um überhaupt an Aufrichtung zu denken. Lass dein Pferd eine bequeme Kopf-Hals-Position finden (natürlich nicht hinter der Senkrechten).
Jetzt sind wir losgelaufen, aber wie halten wir wieder an?
Ihr habt sicher ein Stimmkommando fürs Stehenbleiben. Das führst du aus, zusammen mit einer ganzen Parade. Gleichzeitig bleibst du auch stehen und drehst dich mit deinem Körper wieder zum Pferd, in die Ausgangsposition.
Rückwärts
Für das Rückwärtsgehen stellst du dich wieder in die Ausgangsposition im Halten.
Dann drehst du dich mit deinem Körper in Richtung Hinterhand. Wir haben für „Rückwärts“ auch ein Stimmkommando: „Zuuuurück“. Zusätzlich gebe ich eine halbe Parade und laufe los. Geht das Pferd dabei nicht rückwärts kann ich mir die Gerte zur Hilfe nehmen und dem Pferd damit auf die Brust tippen.
Zum Anhalten stellst du dich wieder in die Ausgansposition und nutzt dein Stimmkommando.
Höhere Lektionen
Aus Rückwärts und Vorwärts kannst du jetzt, wenn die Kommandos sitzen, die Schaukel entwickeln. Dazu lässt du ein Pferd direkt aus dem Rückwärts ins Vorwärts treten. Optimalerweise gleich in den Trab. Dabei braucht es auch nur wenige Schritte und Tritte in beide Richtungen.
Die Schaukel ist eine Vorbereitungsübung auf die Piaffe, die einen sehr hohen Grad an Versammlung voraussetzt. Da die Versammlung der aller letzte Punkt auf der Ausbildungsskala ist, sind wir natürlich noch lange nicht so weit.
Aber die Schaukel üben wir schon etwas im Schritt, um ihn mehr auf die Hinterhand zu setzen.

Du kannst in der Handarbeit auch travers und renvers, genauso wie Schulter- und Kruppherein erarbeiten und üben.
Zur Erinnerung: Beim Schulterherein läuft die Hinterhand weiterhin auf dem ersten Hufschlag geradeaus, während die Vorhand etwa auf dem Dritten kreuzt.
Bei renvers kreuzen Vor- und Hinterhand auf dem vierten und dem ersten Hufschlag.

Übertreten
Das Übertreten ist eine schöne Übung vor dem Reiten, aber auch einfach so zum Lockern des Pferdes. Das Übertreten kannst du aus dem Schulterherein entwickeln.
Lass dein Pferd auf einer Volte im Schulterherein gehen und mach diese immer kleiner. Achte darauf, dass dein Pferd auch mit der Hinterhand anfängt, zu kreuzen. Das kannst du erreichen, indem du mit dem äußeren Zügel etwas parierst (das Pferd wird langsamer und muss mit der Hinterhand vermehrt um die Vorhand gehen), dabei aber die Stellung nach innen beibehälst.
Diese Übung ist super vielseitig und stärkt viele verschiedene Stellen im Pferdekörper. Achte darauf, dass du sie nicht zu lang machst, denn das ist ungefähr vergleichbar mit Sit-Ups.
Videoempfehlungen
Da das ganze in Bildern wahrscheinlich etwas kompliziert ist, habe ich dir ein paar Videos rausgesucht, die (für mich) gut verständlich das zeigen, was ich versucht habe, zu erklären.
Im Loesdau Blog gibt es eine kleine Beitragsreihe dazu:
- Teil 1 Von der Ausrüstung bis zur ersten Übung
- Teil 2 Vom Schulterherein bis zum Travers-Renvers
- Teil 3 Vorbereitende Gymnastik für die Piaffe
- Teil 4 Das Erarbeiten der Piaffe
- Teil 5 Spanischer Schritt
- Teil 6 Von der Hand in den Sattel
Anja Beran auf YouTube erklärts auchsehr gut
Maike Tabertshofer auch auf YouTube mit den Basics
Karin Hess-Müller zusammen mit Pavo hat auf YouTube auch zwei gute Videos, allerdings für Piaffe und Passage:
Ich hoffe, der Beitrag hat dir gefallen und du konntest etwas daraus mitnehmen. Die Videos geben dir vielleicht nochmal einen besseren Einblick in das ganze 🙂

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