Bodenarbeit ist unglaublich vielfältig und eigentlich die Basis von allem.

Zur Bodenarbeit gehört nicht nur ein Knotenhalfter und ein langer Strick, um das Pferd im Kreis herumzuführen. Viele meinen, das bringt dem Pferd auch überhaupt nichts und ist nur zur Bespaßung gut. Ich möchte euch da mal vom Gegenteil überzeugen.

Auch hier wieder: ich bin weder Profi noch habe ich einen Trainerschein. Ich kann euch nur von meinen Erfahrungen damit berichten und dem, was die Profis (nein, nicht die Pferdeprofis…) ebenso als Bodenarbeit schimpfen.

Eine kleine Einführung

Zur Arbeit am Boden gehört für mich persönlich erstmal alles, bei dem ich nicht reite. Dazu gehören:

  • Handarbeit
  • Führtraining
  • Schrecktraining
  • Spaziergänge
  • Longieren
  • Langzügel / Doppellonge
  • Freiarbeit
  • Bodenarbeit

Dass das alles nicht unbedingt dasselbe ist, sollte auf den ersten Blick klar sein.
Der Unterschied zwischen Hand- und Bodenarbeit ist für mich nicht nur die Zäumung. Manche denken zwar, dass Handarbeit immer mit Trense und Bodenarbeit immer mit Knoti gemacht werden muss; man kann aber beides mit allen Kopfstücken machen, an die man Zügel oder Stricke befestigen kann. Auch mit Stallhalfter.

Handarbeit oder die Arbeit an der Hand bedeutet für mich, dass ich das Pferd bei mir, an der Hand habe. Ich schule das Pferd mit meinen Händen, indem ich Kontakt zum Pferdemaul habe und mit den Zügeln arbeite, weniger mit (aber nicht ganz ohne) Körpersprache. Eine Gerte als Hilfsmittel schadet auch nicht. Geht natürlich auch gebisslos.

Die Ausrüstung

Für den Anfang der Bodenarbeit braucht man echt nicht viel. Ich empfehle:

  • Knotenhalfter
  • Bodenarbeitsstrick mit Lederenden (min. 4m)

Beim Knotenhalfter gibt es ziemlich viele Ausführungen. Mithilfe meines Beitrags zum Knotenhalfter selbst knoten kannst du dir individuell selbst eines basteln. Das ist auch wirklich gar nicht so schwer. Meines ist tatsächlich ein billiges von Loesdau, das ich aufgeknotet und mir wieder so zusammengeknotet habe, dass es Saffa erstens besser passt und zweitens etwas schärfer durch die zusätzlichen zwei Knoten auf der Nase ist.
Ich habe auch eins ohne Knoten und mit einem gleitenden Ring am Kinn von Filogran.

Links: Knotenloses Halfter, Rechts: Selbstgeknotetes Knotenhalfter

Dadurch, dass das Bodenarbeitsseil so lang und mit Lederenden versehen ist, kannst du es wunderbar als Verlängerung deines Armes und als „Motivationshilfe“ nutzen. Falls dir das zu kompliziert ist, kannst du auch gern eine Gerte zur Hilfe nehmen. Fortgeschrittenere nehmen einen Bodenarbeitsstick. Ich persönlich hab zwar einen, aber irgendwie ist der zu schwer und zu unhandlich, wenn man das Pferd in der anderen Hand hat. Für Freiarbeit wahrscheinlich besser geignet… Aber das musst du für dich herausfinden 🙂

Die Anfänge

Wie fange ich denn überhaupt mit Bodenarbeit an?
Es gibt super viele Ansätze, Methoden und Trainer, die ihr eigenes Konzept entwickelt haben, wie zum Beispiel Pat Parelli oder Linda Tellington Jones.
Es lohnt sich auf jeden Fall, dir ein paar davon anzuschauen. Ob du davon etwas übernehmen möchtest, oder nicht, bleibt dir überlassen.

Ich persönlich habe die ersten paar Games der Parelli Methode mit in unser Training fließen lassen. So Zum Beispiel das Friendly Game, bei dem sich das Pferd überall anfassen lassen und dabei stehen bleiben muss. Auch soll es keine Angst vor dem Stick oder dem Seil haben. Berühre dein Pferd damit überall, sodass es weiß, ihm passiert nichts.

Dein Pferd darf sich in Ruhe alles anschauen und auch mal auf dem Seil rumknabbern.

Wärmt euch auf, macht ein paar Führübungen. Ich laufe dazu immer auf beiden Händen ein paar Runden Schritt außen auf dem Hufschlag, halte mal an und lasse Saffa auch zwei drei Schritte rückwärts gehen. Beim Anhalten muss er immer noch einen Schritt rückwärts gehen. Dadurch kann ich ihn später auf den Punkt genau anhalten.

Als erstes mache ich immer gern das Circling Game von Parelli. Dabei soll das Pferd um mich herum laufen, ähnlich wie beim Longieren, nur in einem kleineren Kreis. Diese Übung kann man in allen Gangarten durchführen, für den Anfang reicht’s im Schritt.

Hier sind wir schon im Trab. Saffa musste Dampf ablassen 😀 Ich stehe hier so, dass ich ihn antreibe.

Saffa, wie auch die meisten Pferde, reagiert sehr empfindlich auf Körperhaltung und Körperspannung. Ich muss mich nur einen Milimeter zu weit drehen, schon ändert er etwas an seiner Bewegungsrichtung oder Geschwindigkeit. Da musste ich lernen, zu wissen, was mein Körper jetzt gerade macht und wo ich stehe. Mein Körperbewusstsein hat sich seitdem auch sehr gebessert!

Jetzt haben wir das Pferd von uns weggeschickt und es läuft seine Runden. Wie bekomme ich es aber wieder zum anhalten oder zu mir?

Wieder in die Mitte

Um überhaupt zu mir in die Mitte zu gelangen, muss Saffa sich zu mir drehen. Also Hinterhand raus und Vorhand in die Mitte. Genauso machen wir das auch. Ich schicke Saffas Hinterhand raus und von mir weg und schon dreht er in meine Richtung.

Saffa reagiert noch nicht ganz auf meine Körpersprache. Das war letztes Jahr im März; mittlerweile sitzt das sehr gut!

Das sieht dann so aus. Ich lehne mich entgegen der Bewegungsrichtung, starre auf seine Hinterhand und gebe am Seil kleine Impulse. Reicht das nicht, gehe ich einen Schritt auf seine Hinterhand zu. Ist das auch nicht genug, gehe ich energischer darauf zu. Du musst herausfinden, wie viel „Hilfe“ du deinem Pferd geben musst. Eigentlich verstehen sie das recht schnell. Was du dabei nicht tun solltest, ist, ständig am Seil zu ziehen. Als Hilfe und ein zwei mal einen kleinen Ruck zu geben, ist ok.

Wenn dein Pferd dann zu dir in die Mitte kommt und stehenbleibt, schau, dass es genügend Abstand zu dir hat und dich nicht anrempelt. Dann erst ganz viel loben!

So ist der Abstand ok, er könnte aber auch noch etwas größer sein.

Das war unsere allererste Bodenarbeitseinheit. Sie ging vielleicht 20 Minuten, das ist aber für ein Jungpferd völlig in Ordnung.

Mittlerweile muss ich mich bei Saffa nur ein Stückchen kleiner machen und er kommt schon in die Mitte.

Handwechsel

Seid ihr schon etwas fortgeschrittener und dein Pferd hat die Übung gleich verstanden, könnt ihr mit der Anhalteübung von eben auch Handwechsel einarbeiten.
Dazu führst du die Übung aus, lässt dein Pferd aber nicht ganz zu dir kommen. Du wechselst davor das Seil in die andere Hand, streckst den Arm, der das Seil führt, in die neue Bewegungsrichtung und der andere Arm schwingt das Seilende zum Antreiben. Dein Pferd soll dabei nicht anhalten und wenn nötig, kannst du auch ein paar Schritte rückwärts gehen.

Figure 8

Diese Übung besteht aus hintereinanderfolgenden Handwechseln. Du kannst dir gern zwei Hütchen als Hilfe nehmen, um die dein Pferd herumlaufen muss.

Stelle die Hütchen in ausreichendem Abstand auf den Boden und stelle dich in die Mitte. Von hier aus lässt du dein Pferd erstmal um ein Hütchen kreisen.
Ist dein Pferd neben dem Hütchen und läuft auf dich zu, machst du einen Handwechsel und lässt es um das andere Hütchen kreisen. Achte dabei darauf, dass du deinem Pferd Platz machst und rückwärts gehst, um seine Bewegung flüssig zu halten.

Um diese Übung zu steigern kannst du sie auch im Trab und im Galopp durchführen. Je schneller aber die Gangart ist, desto schneller musst du reagieren und gegebenenfalls auch mal rückwärts rennen.

Stangen L

Diese Übung wirst du vielleicht vom Westenreiten kennen. Du benötigst vier Stangen, von denen du jeweils 2 zu einem L nebeneinander legst, sodass eine Gasse entsteht.
Dieses „Pattern“ ist super vielseitig!

Durch die Gasse kannst du jetzt mit deinem Pferd gehen. Achte darauf, dass es in der Gasse bleibt und keine Stangen berührt. Diese Übung kannst du steigern, indem du die Gasse enger legst oder die Gangart erhöhst.

Wenn du dein Pferd schon sehr gut navigieren kannst, kannst du auch einmal versuchen, es rückwärts durch die Gasse zu lenken. Da wird die Ecke am schwierigsten sein. Das ist eine super Übung für die Koordination und das Körpergefühl deines Pferdes.

Du kannst mit deinem Pferd aber auch über die Stangen gehen und das L zur Stangenarbeit umfunktionieren. Das geht natürlich auch geritten.

Stangenarbeit mit dem L. Die diagonale Linie kann beim Verbessern des Anreitens von Hindernissen helfen, da das L mittig angepeilt werden muss.

Richtig advanced wird’s, wenn du dein Pferd um Seitengang über das L navigierst. Dazu empfiehlt sich aber, das erstmal über eine Stange ohne Ecke zu üben.

Mit dem L gibt es sicherlich noch viel mehr Anwendungsmöglichkeiten, ich habe dir jetzt nur mal ein paar gezeigt. Du darfst auch kreativ sein 🙂

Fazit

Du siehst, Bodenarbeit ist alles andere als langweilig und man kann in jede Übung eine Steigerung einbauen.
Mit Saffa mache ich noch keine schwierigeren Übungen, wir sind noch am „circeln“ im Trab und üben die Figure 8 im Schritt. Das Stangen L rückwärts geht auch schon ganz gut und Stangenarbeit mache ich auch ab und zu. Im nächsten Beitrag erkläre ich dir die Handarbeit, und was für Übungen oder auch sogar Lektionen man damit erarbeiten kann.

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