Wer kennt’s nicht – das Pferd braucht eine neue Trense, aber es gibt einfach nicht DIE Trense?

Saffa hat einen neuen/gebrauchten Sattel. Der ist aber kein klassisch Englischer sondern ein Spanischer/Barocker. Da passt (für mein Auge) irgendwie keine klassische Trense zu. Auf dem Markt sind solche Barocken Trensen aber ultra teuer oder sehen nicht so aus, wie ich es mir wünsche.

Ich bin großer Fan davon, Dinge gebraucht zu kaufen, das ist einfach nachhaltiger und um sehr viele Euronen günstiger; manchmal geht das halt nicht. Wenn man sich was in den Kopf setzt, schon gar nicht.

Mit Biothane© hab ich ja schon gearbeitet, also, warum nicht eine selber machen. Leder käme zwar auch infrage, aber das war mir zu dem Zeitpunkt zu anstrengend, auch wenns viel mehr Möglichkeiten geben würde damit. Meine Biothanetrense kann vielleicht nicht mit der von Equimero mithalten, kommt aber ohne die Polster nah dran 😀

Material

Ich bestelle lieber mehr Material und hab etwas übrig, falls ich einen Fehler machen sollte. Tipp: bei lennie24 gibt’s das allllllllles zu kaufen. Kostenpunkt sind ungefähr 55€

  • 9m Biothane (Breite und Farbe ist dir überlassen, bei Größe KB eher 10)
  • 7 Dornschnallen (Durchlass ist so breit wie die Biothane, kann man auswählen, für offene Zügel eine mehr!)
  • 9 Buchschrauben (gibt’s im 10er Pack, ist günstiger, Füllhöhe 7mm)

Ich habe 9m dunkelbraune, 19mm breite Biothane bestellt und dazu messingfarbene Islandschnallen.

Werkzeug

Auf jeden Fall ein bisschen Unterarmmukkis fürs Löcher stanzen!

  • Lochzange mit Hebelverstärkung (sonst wirds echt schwierig, Biothane© hält ganz schön was aus)
  • Schlitzschraubenzieher (bin faul, hab den Akkuschrauber genommen)
  • eine gute Schere
  • Wenn nötig, eine Zange zum Wiederöffnen der Buchschrauben

Anleitung

Geht relativ schnell (2-3h), weil man nichts nähen muss. Mit Buchschrauben siehts zwar nicht so schön aus, wie genäht, aber ich hab einfach keine Nähmaschine, die so ein fettes Material nähen kann. Wenn mir jemand eine sponsern möchte, immer gerne!

Schritt 1: Verbindungsstücke für Zügel und Backenriemen

Von diesen Verbindungsstücken brauchen wir 4 Stück. Also diesen Schritt 4x wiederholen.

Wir schneiden also 4 gleichlange Stücke von unserem großen langen Biothaneriemen ab. Länge sind ungefähr 15cm, bei Größe Pony eher 10cm.
Dann stanzt du pro Stück 2 Löcher hinein. Eines ca. 2cm vom Ende entfernt und das andere ca. 5cm vom anderen Ende entfernt.
Dort, wo das Loch 5cm entfernt vom Ende ist, kannst du das Ende so zuschneiden, wie du es für schön hälst. Ich habe mich für runde Enden entschieden.

Schritt 2: Zügel

Dornschnallen setzen müssen wir bei unserer Trense 7 oder 8 Mal machen. Ist ein bisschen knifflig, aber wenn mans ein paar mal gemacht hat, eigentlich echt easy.

Für die Zügel brauchen wir jetzt entweder einmal die komplette länge für geschlossene oder zwei mal die hälfte der Länge, wenn du offene Zügel möchtest.
Bei den offenen rechnen wir pro Seite nochmal 10cm drauf.
Bei den geschlossenen etwa 8cm pro Seite, dass die Länge nicht verloren geht, wenn wir die Schnallen noch daran befestigen.

Bei den Zügelmaßen musste ich auch googeln, weil zu faul zum selbst messen:

  • pony 2,40 – 2,60m
  • vb 2,70 – 3m
  • wb/kb 3,20 – 3,60m

Schneide dir jetzt deine Zügel von deiner Biothane zurecht. Nimm ein Ende und stanze mit der Lochzange in etwa 2cm vom Ende entfernt ein Loch. 2cm weiter nochmal eines.
Nach weiteren 1,5cm das Dritte und nach weiteren 2,5cm das vierte und letzte Loch.
Mit deiner Schere verbindest du jetzt die mittleren beiden Löcher zu einem. Klingt kompliziert, aber im Bild unten siehst dus nochmal.

nicht schön, aber selten und sieht man später nicht.

Wenn du geschlossene Zügel hast, machst du das gleiche am anderen Ende nochmal.
Bei offenen gilt das für beide Zügel am Ende und bei einem nochmal am anderen Ende, sodass du bei drei Schnallen insgesamt bist. Am vierten Ende machst du ein Loch in 4cm Abstand, sodass du sie auch schließen kannst.

Jetzt kommt der kniffligste Part der ganzen Anleitung: Die Dornschnallen einsetzen.
Da habe ich dir eine Bilderreihe gemacht, ums besser zu checken, ich habs am Anfang nämlich echt oft falsch gemacht und musste das ganze Ding mehrmals aufmachen.

Lege dir die Dornschnalle so hin, dass der Dorn nach oben zeigt und die Schnalle „richtig“ schließt. Am Dorn kann man das sehr gut erkennen, die flache Seite liegt besser am Rahmen auf.

Fädele die Biothane von unten nach oben so wie im Bild auf. Der Dorn muss in das Lange Loch in der Mitte.

Klappe die Biothane um, sodass die beiden Löcher aufeinander sind. So muss es am Ende hin.

Nimm eines der Verbindungsstücke und schiebe durch das Loch, an dem nicht das „schöne“ Ende ist, ein Teil der Buchschraube durch und halte den Teil mit der Schnalle fest.

Durch die beiden aufeinanderliegenden Löcher kommt jetzt der andere Teil der Buchschraube und du kannst sie fest ziehen. Die Schnalle kannst du dann auch schon schließen.

Wiederhole diese Schritte noch einmal für geschlossene, oder für offene Zügel zweimal. Achte darauf, dass du die Schnalle am anderen Ende des Zügel richtig herum anbringst, sonst sind die Zügel hinterher verdreht. Falls sie verdreht sind, kannst du die Buchschraube einfach noch einmal öffnen und die Schnalle richtigherum einsetzen, das geht beim nähen zum Beispiel schonmal nicht so easy 😉

Schritt 3: Nasen- und Kehlriemen

Nasen- und Kehlriemen ist zweimal das gleiche. Miss hierzu den Umfang der Nase deines Pferdes und beim Kehlriemen das selbe.

Dr. Google sagt hier zu den Standardgrößen, wobei man zu Kehlriemen fast nichts findet:

  • Pony Nase: 47 – 58 cm Kehle: ?
  • VB Nase: 52 – 60 cm Kehle: 110 cm
  • WB Nase: 56 – 68 cm Kehle: 115 cm
  • KB Nase: 62 – 72cm Kehle: ?

Ich persönlich würde immer am Kopf direkt ausmessen und da auch immer großzügig 10 cm drauf rechnen. Kann sich ja immer ändern. Temperatur, Winterfell, anderes Gebiss, usw.

Dann brauchen wir aber noch weitere 5 cm für die Schnallen.

also Länge + 10-15cm.

An einem Ende befestigst du wieder eine Dornschnalle (siehe Schritt 2, nur ohne Verbindungsstück).
Am Anderen machst du in regelmäßigen Abständen (+- 2cm) einige Löcher zum verstellen der Riemen.

Dann solltest du zwei dieser Riemen haben:

Schritt 4: Stirnriemen (optional, wenn du schon einen hast)

Wer auf Glitzer steht, jetzt bitte wegschauen, der wird dir zu einfach sein. Oder zu hässlich. 😀 Das ist nämlich einfach nur ein Riemen 😀 Passt aber eher zu einer spanischen Trense wie ich finde. 😉

Ganz easy: wir brauchen ein Stück Biothane und 2 Buchschrauben.
Die Länge des Stirnriemens würde ich auch ausmessen, ansonsten nimmst du am besten diese Maße hier:

  • Pony 37 -39 cm
  • VB: 40 cm
  • WB: 43-46cm
  • KB 48cm

Dazu rechnen wir noch 18 cm drauf, dass wir die Laschen für die Genickriemen noch dran haben.

Dann nimmst du wieder die Lochzange und machst 1,5 cm vom Ende entfernt ein Loch. Am anderen Ende dasselbe. Von diesem Loch 7,5cm weiter nochmal eines auf beiden Seiten, sodass du 4 Löcher insgesamt hast.
Beide Enden einmal umklappen und mit einer Buchschraube die Laschen befestigen.

Schritt 5: Backenriemen Links

Die Backenriemen sind nicht gleich, weil sie nur an einer Seiter miteinander verbunden werden. Du kannst aber auch 2 hiervon machen, und das Genickstück mit einem mit Löchern versehenen Biothaneriemen machen. Wie beim Kappzaum.

Wir brauchen 2 Buchschrauben, 2 Dornschnallen und ein Verbindungsstück von Schritt 1. Google sagt zu der Länge des Backenriemens:

  • Pony: 19 cm
  • VB: 22 cm
  • WB: 25 cm
  • KB: 28 cm

Da wir ja aber noch Schnallen dran befestigen müssen, kommen da noch 10 cm drauf. Ein Ende wird so gemacht wie bei den Zügeln mit Verbindungsstück (Schritt 2) und das andere wie bei Nasen-und Kehlriemen ohne Verbindungsstück.

Schritt 6: Backenriemen rechts

Wir brauchen eine Dornschnalle, eine Buchschraube, das letzte Verbindungsstück aus Schritt 1 und einen Biothaneriemen dieser Länge (+20cm zum verstellen und für die Schnalle):

  • Pony: 39 – 48 cm
  • VB: 43 – 50 cm
  • WB: 46 – 57 cm
  • KB 52 – 60 cm

In die eine Seite wieder einige Löcher zur Anpassung des Riemens machen und in das andere die Dornschnalle wie bei Schritt 2 mit dem Verbindungsstück.

Schritt 7: Zusammenbauen!

Geht am besten, wenn du dein gewünschtes Gebiss dazu nimmst. Ich habe für Saffa hier eine Baucherstange mit Zungenfreiheit, das mag er ganz gerne. Gibt’s bei Picadera manchmal als B-Ware im Sale 😉

so ein schöner Lichtschalter!

Schritt 8: Anpassen

Die Maße sind ziemlich großzügig gewählt und ihr könnt zu lange Riemen ruhig abschneiden. Lochzange und Schere am besten mit in den Stall nehmen! Bei mir war der Nasenriemen viel zu lang und ich hab nochmal Löcher reinmachen müssen. Aber lieber so, als zu kurz!

Begeisterung sieht anders aus, passt aber auch noch nicht.

Ich denke mal, ihr wisst, wie man eine Trense anpasst. Nasenriemen so, dass zwei übereinanderliegene Finger zwischen Riemen und Nasenrücken passen usw. Die Höhe des Nasenriemens kann hier nicht ganz so gut eingestellt werden, da er keinen eigenen Genickriemen hat. Wenns nicht passt, kannst du bei dem Verbindungsstück von Schritt 1, das in beiden Backenriemen verbaut ist, nachträglich Löcher reinmachen. Beachte aber, dass der komplette Genickriemen dadurch an Länge gewinnt oder verliert.

Beim Kehlriemen muss eine ganze Faust zwischen Wange und Riemen passen.
Der Stirnriemen sollte locker sitzen und keine Spannung drauf haben.

Hübscher Färt.

FERTIG! ❤

Ich hoffe, ihr hattet viel Spaß beim basteln und dass eure Pferde die Trense mögen! Wenn die Riemen im Genick zu viel Druck ausüben könnt ihr noch ein Polster in Form von Lammfell oder Sympanova (s. Kappzaum Anleitung) drunter basteln.

Liebe Grüße

eure Sunny

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