Ich erkläre aus meiner Sicht und meiner Erfahrung, wie die Doppellonge funktioniert und was man damit erreichen kann.

Du hast vermutlich meinen Beitrag auf Instagram schon gesehen, falls nicht, schau gern hier vorbei. Wie immer hier: Ich habe weder Trainerschein, noch bin ich ausgebildete Bereiterin. Ich möchte mit euch meine Erfahrungen teilen und vielleicht dem einen oder anderen was neues erzählen.
Die Doppellonge oder auch Langzügel ist eine super Abwechslung zum normalen Longieren. Auch in der Jungpferdeausbildung findet sie mehr Beliebtheit. Ich persönlich habe die Doppellonge durch eine Freundin kennengelernt. Wir hatten ausgebildete Pferde, darunter auch ein Pferd, was gern an der Kutsche läuft. Die kannten Zügelhilfen und das Reiterbein. Bei Saffa musste ich von ganz vorn anfangen.
Da ich aber wirklich kein Profi bin, was Jungpferdeausbildung und Doppellonge angeht, habe ich mir das Buch “Hohe Schule an der Doppellonge” von Philippe Karl gekauft und viele Videos von Ariane Telgen auf YouTube geschaut.
Im Buch wird von den Anfängen des Jungpferdes mit der Doppellonge bis hin zur Pesade und auch zur Galopppirouette sehr viel erklärt. Es sind sogar Übungen enthalten und auch, wie man die Longen richtig hält und nachfasst.
Was brauche ich an Equipment?
Für das erste Mal brauchst du:
- Doppellonge oder Langzügel (Material deiner Wahl)
- Kappzaum
- Longiergurt (ggf. plus Unterlage)
- evtl. Peitsche (Empfehlung: eine leichte Bogenpeitsche aus dem Fahrsport)
Das junge Pferd ist noch sehr sensibel bei allem und daher erklärt Karl, dass am besten mit einem Kappzaum angefangen wird. Auch um das Maul zu schonen. So habe ich das auch gehandhabt. Der Kappzaum sollte gut sitzen und über seitlich angebrachte Ringe verfügen, die groß genug sind, um einen Longenverschluss durchzufädeln.
Wie läuft das erste Mal Doppellonge ab?
Ihr lauft euch erstmal warm, bevor du die Doppellonge auf beiden Seiten einhaken kannst. Für das erste Mal mit einem Jungpferd wird die Einheit mit der Doppellonge selber nicht sehr lang. Fange mit der besseren Hand deines Pferdes an und verschnalle die Doppellonge so:
- der äußere Zügel wird durch den Longiergurtring gefädelt und am Kappzaum befestigt.
- der äußere Zügel wird über den Pferderücken nach innen gelegt.
- der innere Zügel wird durch den seitlichen Ring am Kappzaum gefädelt und am Longiergurt befestigt.
Die Doppellonge hälst du, genauso wie Zügel. Kleiner Finger drunter und die Longe läuft unten aus der Hand zum Pferd. Achte darauf, dass du das Stück der Longe zwischen deinen Händen nicht auf dem Boden schleifen lässt, sonst besteht die Gefahr, dass du in die Schlaufe trittst. Das kann Anfangs ein ganz schönes Kuddelmuddel geben.
Deswegen lasse ich die Peitsche erstmal weg. Möchtest du sie dazunehmen, nimm sie in die Hand, in der du sie beim normalen Longieren auch hast. Bei der Doppellonge in die selbe Hand, die den äußeren Zügel führt. Du hälst sie aber eher so, wie eine Gerte beim Reiten. Es muss keine Lange Peitsche sein, ich persönlich nutze eine Bogenpeitsche mit kurzem Schlag, die normalerweise fürs Fahren verwendet werden. Die ist auch schön leicht und mir fällt der Arm nicht ab 🙂
Jetzt stellst du dich neben dein Pferd und gibst dein Kommando zum loslaufen. Bleib am Anfang auf dem ersten Hufschlag an der Bande, so kann sich dein Pferd daran anlehnen und du hast eine zusätzliche Begrenzung. Macht das ein paar Runden auf jeder Hand (wichtig beim Handwechsel: umschnallen!). Wenn du dich sicher fühlst, kannst du auch ein paar große Volten oder auf den Zirkel gehen.
Wir bleiben auch erstmal im Schritt.
Für das Jungpferd würde das für das erste Mal ausreichen. Das kannst du jetzt die nächsten paar Male üben. Für eine Variation dieser “Übung” kannst du auch mit ausreichend Abstand hinter deinem Pferd hergehen. Dabei tun sich viele Pferde schwerer. Zum einen, weil sie allein vorne draus gehen müssen und zum anderen, weil innen keiner mehr steht, der sie auf dem Hufschlag begrenzt. Viele driften daher nach innen. Wenn dein Pferd das Reiterbein kennt, kannst du es mit der inneren Longe begrenzen, indem du sie leicht(!) an den Pferdekörper schlagen lässt. Das simuliert das Reiterbein mit der treibenden Hilfe auf dieser Seite. Praktisch oder?
Achte hierbei darauf, dass du nicht am Zügel ziehst, sondern sie sanft durch die Hand gleiten lässt. Am Ende eurer Trainingseinheit solltest du dein Pferd noch einmal ohne die Doppellonge bewegen, sodass es sich wieder strecken kann.
Jetzt kannst du mit dem richtigen Longieren starten
Klappt das alles, kannst du mit dem Longieren beginnen und dich in die Mitte stellen.
Dabei fällt dir bestimmt auf, dass du nicht mehr nur in der Mitte stehen kannst, sondern wirklich aktiv mitlaufen musst. Nebenbei auch noch Peitsche und Longe zu sortieren, ist nicht so leicht, lass es deswegen langsam angehen und baue viel Schritt ein. Trab und Galopp kommt dann automatisch. Die Haltung vom Pferd sollte dabei entspannt sein, und es soll den Hals fallen lassen dürfen. Das geht nur, wenn du mit den Longen weich in der Hand bist und sie bei Bedarf durchrutschen lassen kannst. Wie beim Reiten auch. Manche Pferde verkriechen sich dann auch hinter der Senkrechten. Auch ganz normal. Sie müssen das ja auch erst kennenlernen.
Wenn Saffa sich nach vorn und unten streckt und anfängt, den Rücken herzugeben, lobe ich immer ganz viel. Denn genau das möchte ich erreichen. Für weiter ausgebildete Pferde kann natürlich mehr Aufrichtung das Ziel sein. Je nachdem, durch welche Ringe man die Longe am Longiergurt fädelt, das das einen aufrichtenden Effekt oder eher die Tendenz nach unten. Saffa ist jung und wir sind erst auf den beiden unteren Ebenen der Ausbildungsskala. An Aufrichtung brauchen wir noch gar nicht zu denken, auch wenn er durch seine Rasse, Lipizzaner, sehr viel Aufrichtung mitbringt. Das bereitet ihm momentan auch Schwierigkeiten dabei, den Weg in die Tiefe zu finden. Dabei muss ich natürlich aufpassen, dass er nicht nach oben drückt und einen Unterhals entwickelt.
Die erste Übung mit Handwechsel
Klappt das alles, kannst du die Verschnallung der Doppellonge so verändern, dass du bei Handwechseln nicht mehr umschnallen musst. Dabei werden beide Seiten so verschnallt, dass sie erst durch den Ring am Longiergurt gefädelt und dann am Kappzaum befestigt werden. Jetzt kannst du auch mühelos Handwechsel ins Training mit einbauen. Eine Übung dafür kann ich dir aus dem Buch von Philippe Karl auch zeigen:
Sieht schwerer aus als es ist. Du fängst auf der linken hand an der kurzen Seite an. Nach der Ecke lässt du das Pferd wie beim “durch die ganze Bahn wechseln” Richtung Mitte gehen und stellst es kurz vor X um und lässt es auf einem Kreisbogen wieder zurück zum Hufschlag laufen. Dabei geht das Pferd immer um dich herum, nicht du um das Pferd.
Jetzt bist du auf der rechten Hand. Da lässt du dein Pferd kurz vor E oder B abbiegen und eine Kehrtvolte um dich herum laufen. So geht zumindest diese Übung.
Kehrtvolten kannst du natürlich immer machen.
Genauso wie normale Volten, um zum Beispiel an Stellung oder Biegung zu arbeiten.
Wenn Saffa mir im Schritt zu schnell läuft, mache ich auch gern eine Volte, einfach um ihn zu bremsen oder auch zu beschäftigen, wenn geradeaus zu langweilig ist und er sich auf etwas anderes konzentriert.
Und was passiert mit den Longen?
Bei Handwechseln ist es natürlich schwierig, die äußere Longe immer über den Pferderücken zu dir laufen zu lassen. Ist dein Pferd entspannt, kannst du die äußere Longe auch um die Hinterbeine laufen lassen. Das wird erstmal ungewohnt für das Pferd sein und es kann davor wegrennen. Sei daher besonders vorsichtig und halte diese Longe so hoch, dass dein Pferd nicht drauftreten kann. Diese Übungen kannst du natürlich auch im Gelände machen. Wenn du hinter dem Pferd hergehst, hat das den netten Nebeneffekt, dass dein Pferd selbstbewusster wird, weil es allein vorne läuft.
Vom Kappzaum aufs Gebiss
Ist dein Pferd soweit, kannst du aufs Gebiss umsteigen.
Das wird ein großer Schritt sein, denn die Longen haben je nach Material ordentlich Eigengewicht und die bloße Einschnallung ins Gebiss wird schon einen Effekt haben.
Wenn du die Longe um die Hinterbeine laufen lässt, wird durch die Bewegung der Hinterbeine auch immer ein Impuls ans Pferdemaul weitergegeben.
Hier kann man jetzt alles machen, was man mit Reiter auch machen würde.
Man kann an der Versammlung arbeiten, Lektionen erarbeiten und sogar Springen!
Beim Springen sollte man aber besondere Sprungständer Benutzen, an denen die Longen nicht hängenbleiben. Cavallettiarbeit geht selbstverständlich auch.
Die Hohe Schule und die Schule über der Erde
Im Buch wird auch die Pesade erwähnt. Das ist tatsächlich nicht dasselbe, wie die Levade. Musste ich kurz recherchieren. Bei der Pesade “steigt” das Pferd auch, aber der Winkel zwischen den Hinterbeinen und dem Rumpf beträgt mehr als 45°. Die Vorderbeine sind auch an den Körper gezogen.
Für die Ausübung dieser Lektion ist sehr viel Kraft in der Hinterhand und eine enorme Balance nötig!
Zur Schule über der Erde gehören diese beiden Lektionen, genauso wie die Capriole.
Entwickelt wird diese Lektion im Stand aus der Piaffe oder mit einer Parade.
Ihr kennt sicherlich den “Schulhalt”. Das ist quasi schon eine halbe Levade.
Es sieht so aus, als würde sich das Pferd übertrieben nach hinten lehnen und einen Fuß heben. Jetzt muss das Pferd nur noch das nötige Gleichgewicht und die Kraft aufbringen, den anderen Fuß zu heben.

Mein Fazit
Als ich mit der Doppellonge anfing, hätte ich nie gedacht, dass man damit so weit kommen kann. Für mich war die Verknüpfung zu den Lipizzanern in der spanischen Hofreitschule irgendwie nicht da. Für mich ist das alles auch ziemlich weit weg, weil ich selbst wenig Ahnung von Hoher Schule und dessen Ausbildung habe. Reiten kann ich das auch nicht 😀
Das Gute an der Doppellonge ist, man muss es nicht Reiten können, sondern “nur” verstehen, wie es funktioniert. Ich weiß ja, wie es aussehen muss. Um ein Pferd aber damit ausbilden zu können muss man die Abläufe verstehen. Was entwickelt sich woraus und in welcher Reihenfolge kann ich das üben? Und vor allem, wann ist mein Pferd bereit dafür?
In dem einen Jahr, das ich Saffa bald habe, haben sich bei mir viele Wissenslücken geschlossen. 2018 habe ich beim CHIO in Aachen gearbeitet und mir auch ein paar Dressurprüfungen angeschaut. Ich hab mich immer gefragt, wie zur Hölle man dem Pferd eine Piaffe oder sowas beibringen will. Muss man dem Pferd da jeden Huf da hinsetzen? Ich habe gelernt: das entwickelt sich beim richtigen Training quasi alles von alleine. Die können das von sich aus schon. Manche eben mit mehr Ausdruck, manche mit weniger.
Quellen:
- Bilder: „Hohe Schule an der Doppellonge“: Philippe Karl, ISBN: 978-3861274728
- Wikipediaeintrag zur Pesade

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