Ich finde Reitröcke im Winter super praktisch, denn meine Oberschenkel frieren endlich nicht mehr und er sieht auch noch schick aus.

Als erstes musst du dich selbst vermessen. Wir brauchen deinen Taillenumfang und die Höhe vom Bauchnabel bis zum Boden.
Da der Rock kreisförmig ist, müssen wir, um die Größe des Stoffs nachher festzulegen, etwas Mathe auspacken und einen Kreisumfang berechnen. Außerdem müssen wir die Höhe eines kleinen Dreiecks berechnen. Aber keine Angst, ich hab das alles gut vorbereitet und es wird keine Mathenachhilfe-Stunde! 😉

Was brauchen wir an Material?

Um einen Reitrock zu nähen brauchen wir erstmal eine Nähmaschine oder ganz klassisch Nadel und Faden. Welche Stiche du verwendest, bleibt die selbst überlassen.

  • Wollfilz oder einen anderen Stoff 2,5 x 2,5m (ich habe meinen hier bestellt, da hat die Meterware 1,45m Breite und ich musste etwas stückeln) und in der Farbe deiner Wahl
  • Nähgarn in der passenden Farbe
  • Eine Kordel zum zuziehen (Stoffreste des selben Stoffs gehen auch wunderbar)
  • Wenn du möchtest, kannst du den Rock mit einer Borte am Saum verzieren.
    Die Länge, in der du die Borte brauchst, berechnen wir am Schluss, also erstmal alles lesen 😉

Vorbereitung

Wir falten den Stoff wie in der Abbildung unten 2 Mal.
Das funktioniert so, wie wenn wir ein Stück Papier falten, um eine Schneeflocke daraus zu basteln.

Für den Umfang des Rocks an der Taille nimmst du deinen Taillenumfang plus 10cm, damit der Rock vorn nachher überlappt und kein Wind zu Seite reinblasen kann.
Jetzt brauchen wir ein bisschen Mathe. Wir haben den Umfang des Kreises für den Saum oben, brauchen aber fürs Vorzeichnen einen Radius.
Den Umfang berechnet man so:

u = 2 π r

Jetzt müssen wir die Formel nach r (Radius) umstellen. Keine Sorge, das hab ich schon gemacht 🙂

r = u / (2π)

Beispiel: Taillenumfang 1m; für π nehmen wir 3,15
r = 1/ 2 π
r = 1/ 6,3
r = ~ 0,16 m

Also haben wir einen Radius von 16 cm.

Jetzt nehmen wir wieder den gefalteten Stoff in die Hand und legen ihn so hin, dass die gefaltete, geschlossene Seite zu uns zeigt.
Von der Ecke unten links können wir jetzt unsere Schnittlinien zeichnen.
Den ersten Vierteilkreis zeichnest du in der Größe des eben berechneten Radius direkt von der Ecke aus. Für die Länge des Rocks nimmst du den Taillenadius plus die Höhe vom Bauchnabel zum Boden und zeichnest von dieser Ecke mit dieser Summe den zweiten Kreisbogen.

Schneide zuerst den äußeren Kreis aus, der die Länge des Rocks definiert.
Danach kannst du den Taillenausschnitt schrittweise ausschneiden.

Schneide erstmal weniger weg, als die Linie vorgibt, denn so kannst du für dich entscheiden, wie weit der Rock nachher überlappt.

Wenn du mit dem Ausschnitt zufrieden bist, kannst du den Stoff wieder aufklappen.
Du solltest einen Kreis haben, der in der Mitte ein Loch hat. Jetzt schneiden wir die Öffnung für die Beine, sodass man damit auch aufs Pferd steigen kann. Da der Stoffausschnitt rund ist, ist es egal, wo du schneidest.
Der Schnitt geht von einem Punkt des Taillenausschnitts bis zum gegenüberliegenden Punkt des unteren Saums.


Das Wickeln mit dem Wickelrock

Dazu schneidest du gegenüber von der Öffnung des Rocks oben am kleineren Kreis den Abstand ein, wie dein Bund breit werden soll.
Ich nehme da immer 8-10cm.
Dann wird’s wieder bisschen mathematisch, denn wir müssen ein kleines gleichschenkliges Stoffdreieck ausschneiden, das wir in den Bund einfügen müssen.
Wer in Mathe ein bisschen aufgepasst hat, weiß, dass bei einem gleichschenkligen Dreieck zwei Seiten gleich lang sind. Die Länge dieser beiden Seiten ist die Höhe des Bunds. Für die untere Seite des Dreiecks benötigen wir ca. 8cm.

Fürs zeichnen des Dreiecks brauchen wir aber noch die Höhe.
Die berechnen wir, indem wir das Dreieck in zwei gleichgroße, rechtwinklige Dreiecke teilen. Für die Berechnung der Seiten von rechtwinkligen Dreiecken gilt der Satz des Pythagoras.

Zur Erinnerung der Satz des Pythagoras:
a² + b² = c²

Für das Beispiel nehmen wir eine Bundhöhe von 10cm

a = 10cm
b = 4cm (8 geteilt durch 2)

10² + 4² = c²
116 = c²
und die Wurzel aus 116 ist ca. 10,8

Also ergibt sich daraus eine Höhe von 10,8cm. Wenn’s 11cm sind, ist das auch nicht schlimm. So können wir das Dreieck zeichnen, indem wir die untere Seite zuerst auf den Stoff malen. Dann von der Mitte der Linie die berechnete Höhe nach oben gehen und von diesem Punkt an das rechte und linke Ende der ersten Linie jeweils eine weitere zeichnen.

Jetzt kannst du das ausgeschnittene Dreieck in den Schlitz einnähen, den wir vorher für den Bund geschnitten haben.

Drehe dabei das Dreieck mit der Spitze nach unten, sodass die Seite mit den 8cm am Bund des Rocks abschließt. Im Bild siehst du, welche Seiten du zusammennähen musst.

Jetzt können wir den gesamten Bund umklappen, sodass die Spitze des Dreiecks genau am Faltrand liegt. Wenn du dir eine Kordel ausgesucht hast, um den Rock nachher zuzubinden, lege diese an der Spitze des Dreiecks einmal an die gesamte Länge des Bunds. So, dass die Kordel in den Bund eingenäht wird.Die Breite des Bunds hälst du über die gesamte Länge ein und fixierst den Stoff erstmal mit Nadeln.


Wenn du keine Kordel gewählt hast, kannst du dir auch aus den Stoffresten zwei lange Stoffbänder schneiden. Wenn du möchtest, gern so breit, wie dein Bund ist.
Die beiden Stoffbänder sollten jeweils mindestens einen Meter lang sein.
Wenn du die Stoffbänder zugeschnitten hast, kannst du sie so an den Rock nähen:


Du schiebst das Band in den Bund hinein und nähst es dort über alle drei Stofflagen fest. Achte darauf, dass du die richtige Farbe für das Nähgarn wählst, sonst fällt das auf der Vorderseite auf. Jetzt kannst du den Bund nähen. Nähe dazu einmal an der gesamten länge des Rocks außen herum. Dann ist der Rock an sich schon fast fertig!

Nähe an der gestrichelten Linie einmal entlang des Bundes


Jetzt könnte es ein bisschen kompliziert werden…

Ziehe den Rock einmal an. Um ihn zubinden zu können brauchen wir noch ein kleines Loch. Lege den Rock so an, dass er dir passt und sich vorn so überlappt, dass er beim Reiten deine Knie gut abdeckt.
Je nachdem, ob du deinen Rock rechts oder links zubinden möchtest, musst du rechts oder links das Loch da in den Bund der anderen Seite schneiden, wo die Kordel oder das Band aus dem Bund rauskommt (oder am Rock befestigt ist). Im Bild sieht man das nochmal besser…

Das Loch musst du an der Stelle schneiden, wo das Band der anderen Seite aus dem Bund anfängt.
Ich hoffe, man erkennt den hübschen Bauchnabel ;P

Auf dem Bild ist das Loch auf deiner linken Seite. Hast du den Punkt markiert, schneidest du dort von oben nach unten, sodass das Band durchpasst. Ziehe den Rock noch einmal an, diesmal muss aber die rechte Seite des Rocks nach innen, sodass du das Band oder die Kordel von innen nach außen ziehen kannst. Wenn dir das auf der anderen Seite lieber ist, musst du diesen Schritt natürlich andersrum machen.
Das sieht dann so aus:

So liegen die Bänder zum zuknoten richtig. Im Bild sind sie natürlich kürzer dargestellt.

Das Band, das jetzt auf deiner rechten Seite liegt, ziehst du einmal hinten über deinen Rücken zum anderen und dort kannst du die beiden Bänder zusammenknoten.
Um das ausreißen des Lochs zu verhindern, kannst du ober- und unterhalb des Lochs etwas entlangnähen, wie bei einem Knopfloch.

Jetzt kannst du noch eine Borte zur Verzierung unten an den Saum nähen.
Die Länge der Borte setzt sich so zusammen:
Wir addieren die Länge des Reitrocks und den Radius, den wir oben berechnet haben. Wenn du einen Bund genäht hast, ziehe die Breite des Bundes von dieser Summe ab.
Damit haben wir den Radius des gesamten Rockes und daraus können wir den Umfang am Saum unten berechnen:

Wir erinnern uns: u = 2 π r
Beispiel: r = 1,2m
Dann ist u = 2 π * 1,2 = 7,56 m
Hier kannst du großzügig aufrunden auf den ganzen Meter.
= 8m Borte

Die Borte kannst du in einem selbst gewählten Abstand zum Saum an den Stoff nähen.

Fertig!

Hier ein paar Impressionen 🙂
Die zweite Variante kommt, sobald ich den Stoff habe 🙂

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